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Kapitel 4

In den Sitzen seines schwarzen japanischen Coupes hatten sich kleine Pfützen voller Wasser gesammelt. Luca nahm beide Hände, schöpfte das Wasser ab und spritze es sich mitten ins Gesicht.
Yannis stand mit Hilfe von Laura auf. Er schüttelte schweigend den Kopf, ging aber dann doch zu Luca. Völlig mitgenommen ließ er sich am hinteren Radkasten des Sportwagens nieder, einige Tropfen des Wassers landeten auch in seinem Gesicht. Yannis musste lächeln. Luca öffnete wieder die Augen. Seine Hände umklammerten die halbausgeklappten Fenster seines Wagens. Auch er lächelte und setze sich. Er konnte einfach nicht anders. Laura, noch völlig bleich im Gesicht von dem gerade Erlebten setzte sich in die Mitte. Sie wühlte in der Jackentasche nach einer alten Schachtel Zigaretten, ihre zitternden Finger schafften es aber kaum, eine Zigarette aus der Schachtel herauszubekommen. Luca nahm ihr das Feuerzeug ab und gab ihr - ganz wie ein Gentleman - Feuer. Sie schaffte nicht mal ganz einen Zug, als sich Luca den Glimmstängel nahm und selber dran zog.

„Was ist hier gerade passiert?“ fragte Luca, sein Blick blieb am Grabungszelt hängen. Die anderen Beiden zuckten nur ahnungslos mit den Schultern, vermieden es aber sich anzusehen.

Luca fasste sich als erstes, stand auf und begann aufzuräumen. Es war seine Art, das eben Geschehene zu verarbeiten. Aber machte er das überhaupt? Luca war eher der typisch, klassische Fall für Psychoanalytiker: Er verdrängte.

„Laura, hast du den Rücken gesehen?“ Yannis zeigte mit der Hand in Richtung Luca, der gerade die Bergsteigermontur überprüfte.
„Die Narben … ich habe so etwas mal im Fernsehen gesehen.“ erzählte Laura. Sie konnte aber sich nicht mehr genau dran erinnern, ob was ging. Beide waren sich aber einig, dass ihr Chef eine Menge Geheimnisse mit sich rum trug.
„Die Laudatio zur Preisverleihung der Herman-Friedrich-Medaille, die er letztes Jahr bekommen hatte, war sehr aufschlussreich. Hast du ihn mal über seine Vergangenheit sprechen hören?“ wollte Laura von Yannis wissen.
Yannis, der nun selber eine Zigarette rauchte, verneinte.
„Er kennt nur seine Arbeit. Ab und zu ließt er ein Buch, gehört habe ich, dass Luca ein wunderbarer Koch ist. Seine Qualitäten in der zeichnerischen Darstellung von Funden war hervorragend.“ Sprach Laura leise.
„Aber wer ist Luca eigentlich?“ unterbrach er Laura.
„Seine Biographie glich die von Oliver Twist: armer Junge, beide Eltern verloren, kommt ins Heim, schwere Kindheit, fängt sich, macht gutes Abitur. Studiert, mach gleichzeitig zwei Abschlüsse und …“ Yannis unterbrach, als Luca wieder zu den beiden zurück kam.
„Er diente …“ sprach Luca weiter „ … seinem Vaterland und schwor bis aufs Blut, sein Land zu verteidigen“ Laura und Yannis sahen sich beide an.
„Ich wusste nicht, dass du beim Bund warst “ stammelte Yannis leicht verlegen.
„Du weißt vieles nicht, aber wenn du es wirklich wissen willst, dann stell die richtigen Fragen.“ Yannis kannte diesen Blick von Luca. Er ging jedesmal bis auf die Knochen. Dieser Blick konnte durchdringen, man hatte keine Chance zu entfliehen.

„Woher kommen die Narben?“ wollte Laura wissen, als sie wieder aufstand und ihren Arbeitsoverall vom Dreck befreite.
Luca nahm die flache Hand und schlug vorsichtig auf ihren Hinterkopf.
„Auu, das habe ich jetzt nicht verdient“ gab sie kleinlaut von sich.
„Konzentriere dich auf das Wesentliche und … besorg für heute Abend etwas vernünftiges zu trinken“ Luca lächelte wieder.

Yannis stand auf und ging zum Wagen, aus seiner Tasche holte er sich die Ersatzbrille. Er blickte zum Horizont, in der Ferne hörte man das TaaTüüüTaTaaa der Freiwilligen Feuerwehr. Knapp einen Kilometer Weiterweg erhob sich eine Rauchsäule aus einem kleinen Wäldchen.

Diese seltsamen lautlosen Blitze – dachte Luca.

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