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Kapitel 12

Luca wurde durch ein sanftes Klopfen auf der Zeltplane geweckt. Er war noch tief eingegraben in seinem Schlafsack. Die Wärme der Nacht spürte er, aber auch, dass sein Schlafsack viel zu groß war. Er hatte Platz für zwei.

Luca antworte kurz, legte aber sein Kopf sanft auf das Kissen. Er schloss die Augen und versuchte sich an seinen letzten Traum zu erinnern. Und es gelang: Da war sie wieder, sie stand an einem Gatter vor einer großen Pferdeweide. Ihre braunen Augen konzentrierten sich darauf, den Riemen des Sattels wieder in Ordnung zu bringen. Luca schien in seinem Traum unsichtbar zu sein, er sah nur zu, was als nächstes passierte. Die Frau hob mit aller Macht den Sattel auf das Gatter und rief einen Namen, von der Seite kam ihr Pferd heran gelaufen. Es kam heran gelaufen, wieherte und blieb stehen. Sie streichelte das Tier an den Ganaschen und sprach sanft und ruhig. Luca erschrak, als sich die Frau umdrehte. Völlig überrumpelt, dass sie ihn wahrnimmt, brachte Luca keinen Ton raus. Sie lächelte, genauso, wie Luca es sich vorgestellt. Wie kann man einem Menschen sagen, dass nur ein kleines Lächeln, alles andere vergessen macht. Wie kann man einem Menschen sagen, dass dieses eine Lächeln so wunderschön ist und man nie wieder jemanden anderes sehen möchte …

„Wie ist dein Name?“ wollte er wissen.

„Laura“ antwortete eine Stimme.

„Chef, steh endlich auf, hier ist gerade ein Streifenwagen vorgefahren.“
Luca riss die Augen auf, wollte gerade aus dem Zelt klettern, als er bemerkte, dass das nicht die beste Idee war. Seine kompletten Sachen lagen neben der ISO-Matte, im Schlafsack schlief er immer nur so, wie er erschaffen worden ist.
Er lächelte müde.

„Was sind schon Träume“ sprach er leise zu sich selbst. Sein Verstand begann zu arbeiten. Welche Dinge brauchte er für die Grabungen? Sind alle Akkus aufgeladen? Wo war dieses verdammte Handy wieder? … Keine SMS …

„Sie können Berge versetzen, neue Welten erschaffen, dein eigenes Leben in deiner Farbe anstreichen. Sie helfen dir, weiterzumachen Luca.“
Er sah Yannis mit großen Augen an.
„Träume, Lucas, sind so eine Sache. Sie können wunderschön sein, aber auch bitter und grausam. Sei glücklich, wenn du daran eine Erinnerung hast, was gerade passiert ist. Viele Menschen schaffen das nicht, so viele Sorgen lassen die Träume nach dem Schlaf wieder verblassen. Sie wissen, dass sie geträumt haben, aber nicht mehr.“
Yannis kniete sich vor dem Zelteingang hin und sprach weiter:
„Ich hab mal auf einer CD etwas gehört: „Unsere Träume, unsere Sehnsüchte und bunten Hoffnungen wollen ernst und wichtig genommen werden. Wer sie verdrängt unterdrückt das Beste in sich und wird ein leerer Mensch.“ [Schiller: Die Weltreise: Track 6: Träume]

Yannis blick sank zu Boden, es waren seine Erfahrungen.

„Kann ich nicht mal in Ruhe ein Selbstgespräch führen, ohne das man dabei gestört wird?“ wollte Luca wissen, seine Stimme klang aber nicht zornig, sondern eher leicht verzweifelt.

„Chef, nicht hier, wenn unsere Zelt so dicht bei einander stehen.“ Yannis gab Luca eine Tasse mit dampfenden Kaffee, mit einem Schuss Milch.
„Wie war das mit den Steinen und den Glasshaus? Sollte man da nicht mit werfen, wenn man selber da drin sitzt?“ verstohlen blickte Luca dabei auf Laura und musste dann lächeln, als er das verdatterte Gesicht von Yannis sah.

„Hey, ist okay“ Luca klopfte Yannis beim Aufstehen leicht auf die Schulter.

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