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Kapitel 13

Die Türen sprangen auf, zwei Polizisten in Uniform rückten ihre Sachen zurecht und setzten die Mütze auf. Das ist ein offizieller Besuch dachte Luca.

„Mein Name ist Doktor Luca Joondala von der Universität Braunschweig, Fakultät Erziehungs- und Geisteswissenschaften. Guten Tag meine Herren, was kann ich für sie tun?“ stellte sich Luca vor.

Der dickere Polizist sah zunächst seinen Kollegen an, gab aber Luca die Hand.

„Wir haben eine einstweilige Verfügung, dass sie ihre Ausgrabungsaktivitäten einstellen.“ Sagte einer der Männer in Uniform und zeigte dem erstaunten Luca das Schreiben.
„Mir welcher Begründung?“ fragte Laura, die hinter Yannis und Luca stand.
„Sie gefährden mit ihren Grabungen die Stabilität der führenden Wasserschichten. Dadurch kann es zu Senkungen kommen, die die Siedlungen und deren Bewohner gefährdet!“
Luca griff sich in den Haaren und begann verzweifelt zu lachen.

„Das ist doch Irrsinn. Das nächste Dorf …“ Luca zeigte in Richtung eines kleinen Walds „… ist von hier 3 Kilometer entfernt. Wir graben hier in 3 bis 4 Metern Tiefe, die wasserführende Schicht liegt hier bei 7 Meter Normal Null. Und dass sind vom Boden hier nochmals 6 Meter. Wir hatten Geologen von der Uni hier, die uns das Gebiet für Grabungen als unbedenklich deklarierten!“ Luca verstand die Welt nicht mehr.
Yannis blieb sachlicher.

„Von wem kommt diese Anordnung überhaupt?“ wollte der Student wissen.

Der Polizist nahm sich das Dokument vor, konnte aber die Schrift nicht wirklich entziffern. Nur der Stempel vom Landgericht schien ein Zeugnis der Wahrheit und Richtigkeit zu sein. Yannis wandte sich ab und griff zum Handy. Er begann wie wild Nummern einzutippen und lauthals zu telefonieren.

„Wir haben Anweisung, dass diese Verfügung sofort umgesetzt werden soll. Bitte räumen sie dieses Gebiet.“ Den Polizisten schien die Sache langsam peinlich zu werden, mit ruhiger Stimme sprach der Eine weiter:
„Sie haben noch 2 Stunden. Wir müssen noch rüber zum Schmidtkenhauser-Hof, dort soll gestern ein Traktor die Ölwanne verloren haben und die ganze Schmiere lief auf die Kreisstraße 212 aus. Außerdem hat Gitty Schmidtkenhauser den besten frischen Zuckerkuchen. Das dauert seine Zeit.“ Der Polizist versuchte nett zu lächeln, aber es gelang ihm nicht richtig.

Luca nickte stumm. Nur noch 2 Stunden.

Der Streifenwagen setze sich in Bewegung. Erst jetzt bemerkte Luca den Frühnebel auf den Feldern. Es wurde Herbst. Die Sonne versuchte sich durch den Nebel zu drängen. Vergeblich. Er atmete tief durch.

„Laura, Yannis zu mir“ Luca setzte sich auf dem Boden.
„Ich werde die Grabplatte öffnen und alles dokumentieren. Ihr packt die Sachen ein, die Stromaggregate aber bitte erst zum Schluss ausstellen. Ist die Kamera fertig?“
Laura nickte.
„Der Camcorder auch?“
Diesmal nickte Yannis.

Luca zog sich die Bergsteigerausrüstung hastig an, trat in die Schlaufen und setze die beiden Karabinerhaken zur Sicherung an. Dann betrat er die Leiter und schaltete das Licht an, langsam stieg er ins Dunkel.

Es war immer wieder eine andere versunkene Welt, die sich ihm auftat. Wurzelreste hingen am Rand des Schachtes. Die Querträger zur Sicherung wurden sauber in das Erdreich eingetrieben, eben von Profis.
Am Boden des Schachtes ging ein Stollen in westlicher Richtung. An der Wand hingen die Stromleitungen, wo alle 3 Meter eine Lampe abgezweigt worden ist. Nach 20 Metern stand man in einem kleinen Raum, nicht größer als 5 mal 5 Meter. Die Wände waren gemauert, die schweren Feldsteine hielten das Gewicht der knapp 6 Meter hohen Deckschicht ohne Probleme.

An den Wanden fanden die Wissenschaftler kleinere Farcierungen, die aus dem 14. Jahrhundert stammten. Bilder von der Kreuzigung und dem Leidensweg von Jesu Christus konnten noch schwach sehen. Die Farbpigmentation wurde im Laufe der Jahrhunderte durch die Feuchtigkeit geschwächt. Deshalb versuchte Yannis den Raum wieder zu trocknen: mehre Warmluftventilatoren sorgten für angenehme 19°C.
An der Decke befand sich in Steinrelief bestehend aus 24 Segmenten, die jeweils eine Person darstellten. In der Mitte unten war der schlafende Jesse zu sehen. Aus seiner Seite wuchs der Stammbaum Jesu, mit den sieben wichtigsten Vorfahren: Sohn König David, sowie Salomon, Roboam, Abia, Asa, Josaphat und Joram. Am oberen Ende war der thronende Christus als Weltenrichter zwischen Maria und Johannes dem Täufer dargestellt. Eine klassische Arbeit für das ausgehende 13. Jahrhundert.

Das Relief wurde von Laura und Yannis bestens dokumentiert. Der Raum sah wie eine Grabkammer aus, nur wo war das Grab? Yannis bewegte vorsichtig einen Steinkranz am südlichen Teil des Raumes, worauf hin der gepflasterte Boden einsackte und den Weg zur eigentlichen Grabstelle freigelegt hatte. Laura schrie, als Yannis auf den rutschenden Steinen in die zweite Gruft surfte.

Der Raum war kleiner und das Erste, was Yannis auffiel, es fehlte jegliche christliche Symbolik aus dem Mittelalter! Auf der Grabplatte war eine Frau abgebildet, ihre weiblichen Züge waren unverkennbar. Vom Bau bis zu den Füßen hielt ihr steinernes Abbild ein Schwert, mit hoher Wahrscheinlichkeit trug sie es selber. Die Klinge hatte eine stattliche Länge von 160 cm, solche Schwerter konnte man nur mit Zwei Händen führen. In Gefechten dienten solche Schwerter dazu, in den anrückenden Truppen eine Bresche zu schlagen, damit leichter bewaffnetes Volk nachrücken konnte. Wenn diese Frau das Schwert wirklich im Kampf trug, dann in der ersten Reihe.
Luca schluckte, spontan fiel ihm Jehanne la Pucelle, besser bekannt als Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orléans, ein. Aber diese Frau lebte und starb knapp 60 Jahre vorher, als der 100 jährige Krieg in Europa tobte.

Das Schwert. Am Griff war die Parierstange zur Spitze hin geschwungen, am Ende ein vierblättriges Kleeblatt eingearbeitet. Ein Metallstreifen lief mittig vom Mittelpunkt der Parierstange nach unten auf die Klinge. Dieser Streifen hieß … Luca überlegte … Langlet. Erst jetzt erkannte er das Schwert wieder, es war ein Claymore oder wie die Schotten es nannten, ein claudheamh-mor.

Luca machte von jedem Detail der Steinplatte Aufnahmen. In ihren Kleidern war das keltische Kreuz eingearbeitet, ganz unten stand ihr Name:
Sophia Van de Voren. Sie muss im Zeichen des Steinbock geboren sein, das Symbol war über ihrem Namen zu sehen. Darüber … Luca sah jetzt genauer hin … war ein Kreis zu sehen, mit einem Punkt.

Es war das astronomische Zeichen für die Sonne.

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