Kapitel 9
Das Mädchen ging. Der Mann packte seine Sachen und verschwand in dem Gewirr der Menschenmenge. Zum Abschied hob sie die Hand und winkte mit den Fingern.
„Warte doch bitte“ wollte er noch hinter rufen, aber da tauchte sie schon in der Menge unter.
Luca drehte sich um, traurig sahen seine Augen aus.
Vor ihm stand ein großes blauweißes Zelt, die Sonne versteckte sich dahinter. Oder war sie vielleicht da drin? Neugierig und ohne Angst vor dem Unbekannten stand vor dem Eingang.
„Komm ruhig rein, mein Kleiner“ sprach leise eine Frauenstimme aus dem Zelt.
Luca betrat den Eingang.
Seine Augen mussten sich erst an das schummrige Licht gewöhnen. Hinter einer Wand aus Stoffbahnen konnte er ein Stuhl und einen Tisch erkennen. Darauf stand eine brennende Kerze. Seine Kinderaugen waren voller Erstaunen, noch nie hatte er eine Wahrsagerin gesehen. An der Wand hing eine Kette aus Leder, nur das Symbol war ihm fremd: das Christuskreuz, in Mittelpunkt ein Kreis.
„Setz dich hin“ forderte die Frau auf, die in einer dunklen Ecke des Zeltes stand. Auf dem Tisch lagen Karten, eine Glaskugel, ein Schüssel voller Knochen.
Luca war verwirrt. Das Kleid war wunderschön, die roten Haare glänzten im Licht der Kerzen in tausend Farben.
„Du willst deine Zukunft erfahren?“ fragte sie leicht müde.
„Das kostest 10 Mark.“ Die Frau hielt die Hand auf.
Traurig schüttelte der kleine Junge den Kopf.
„Das Geld hab ich nicht.“ Luca wollte aufstehen, als die Frau näher heranrückte.
„Bleib sitzen“ Luca tat das, was man ihm sagte.
„Zeig mir deine Hand.“
Sie nahm die kleine Kinderhand und blickte Luca tief in die Augen.
Er bekam Angst, ganz leise, aber sie war da. Das Kerzenlicht flackerte. Die Augen der Frau schlossen sich, man sah ihr an, dass sie sich anstrengte. Es bildeten sich falten auf der Stirn. Sie zog immer stärker an der Hand von Luca. Ihr ganzer Körper bebte. Sie schaffte es kaum noch Luft zu holen, die andere Hand der Frau klammerte sich wie wild am Tisch fest. Das Gesicht von ihr wurde tief rot, jede einzelne Faser schien in diesem Moment zu reißen.
Auch Luca stieg die Angst ins Gesicht, er versuchte sich loszureißen, aber die Frau hielt ihn immer fester. Es schien, als würde die Zeit still stehen, um im nächsten Augenblick, als alles zu Ende war, vorgespult zu werden.
Die Frau saß erschöpft und eingesunken auf ihrem Stuhl.
Luca’s Blick war starr vor Angst, die roten Haare waren nicht echt, sie trug nur eine Perücke, die nun auf dem Tisch lag.
„Keine Angst mein Kleiner.“ sprach sie leise. Sie nahm die Haarpracht und wandte sich zum Spiegel zu, der hinter ihr auf einem Regal stand und setzte sie wieder auf.
Die Hände von Luca waren festgekrallt in der Tischkante.
„Mein Junge“ fing sie an.
„Ich habe viel Leid gesehen. Aber all das Leben steht im Gleichgewicht. Nimmst du hier etwas weg, so wird es dort wieder dazugeben“ sprach sie wieder.
„Es werden Dinge passieren, die du nicht verhindern kannst. Lass sie geschehen.“ Die Wahrsagerin machte eine Pause.
„Und das, was dir fehlt, wird dich finden. Sehe die Zeichen und sei bereit, wenn du mit geschlossenen Augen sehen kannst.“
Zuerst verstand Luca diese Worte nicht. Aber er war intelligent genug, diese Worte sich einzuprägen. Später würde alles einen Sinn ergeben dachte der kleine Junge.
Mit der linken Hand nahm die Frau etwas aus dem Regal. Luca konnte es erst nicht richtig erkennen. Er musste seine Hand öffnen und die Frau ließ daran einen silbernen Anhänger gleiten, der an einem Lederband befestigt war. Der Anhänger hatte die Form eines zunehmenden Mondes. Sie stand auf und half dem Jungen, den Anhänger um den Hals zu binden.
Ohne ein Wort zu verlieren ging Luca raus. Am Eingang wartete schon Fred, einer der Erzieher. „Komm Luca, lass uns Heim gehen.“
Statt des erwarteten Donnerwetter gab es keine Strafen, keine Verbote, nichts. Noch heute fragte sich Luca, warum es so war.
„Warte doch bitte“ wollte er noch hinter rufen, aber da tauchte sie schon in der Menge unter.
Luca drehte sich um, traurig sahen seine Augen aus.
Vor ihm stand ein großes blauweißes Zelt, die Sonne versteckte sich dahinter. Oder war sie vielleicht da drin? Neugierig und ohne Angst vor dem Unbekannten stand vor dem Eingang.
„Komm ruhig rein, mein Kleiner“ sprach leise eine Frauenstimme aus dem Zelt.
Luca betrat den Eingang.
Seine Augen mussten sich erst an das schummrige Licht gewöhnen. Hinter einer Wand aus Stoffbahnen konnte er ein Stuhl und einen Tisch erkennen. Darauf stand eine brennende Kerze. Seine Kinderaugen waren voller Erstaunen, noch nie hatte er eine Wahrsagerin gesehen. An der Wand hing eine Kette aus Leder, nur das Symbol war ihm fremd: das Christuskreuz, in Mittelpunkt ein Kreis.
„Setz dich hin“ forderte die Frau auf, die in einer dunklen Ecke des Zeltes stand. Auf dem Tisch lagen Karten, eine Glaskugel, ein Schüssel voller Knochen.
Luca war verwirrt. Das Kleid war wunderschön, die roten Haare glänzten im Licht der Kerzen in tausend Farben.
„Du willst deine Zukunft erfahren?“ fragte sie leicht müde.
„Das kostest 10 Mark.“ Die Frau hielt die Hand auf.
Traurig schüttelte der kleine Junge den Kopf.
„Das Geld hab ich nicht.“ Luca wollte aufstehen, als die Frau näher heranrückte.
„Bleib sitzen“ Luca tat das, was man ihm sagte.
„Zeig mir deine Hand.“
Sie nahm die kleine Kinderhand und blickte Luca tief in die Augen.
Er bekam Angst, ganz leise, aber sie war da. Das Kerzenlicht flackerte. Die Augen der Frau schlossen sich, man sah ihr an, dass sie sich anstrengte. Es bildeten sich falten auf der Stirn. Sie zog immer stärker an der Hand von Luca. Ihr ganzer Körper bebte. Sie schaffte es kaum noch Luft zu holen, die andere Hand der Frau klammerte sich wie wild am Tisch fest. Das Gesicht von ihr wurde tief rot, jede einzelne Faser schien in diesem Moment zu reißen.
Auch Luca stieg die Angst ins Gesicht, er versuchte sich loszureißen, aber die Frau hielt ihn immer fester. Es schien, als würde die Zeit still stehen, um im nächsten Augenblick, als alles zu Ende war, vorgespult zu werden.
Die Frau saß erschöpft und eingesunken auf ihrem Stuhl.
Luca’s Blick war starr vor Angst, die roten Haare waren nicht echt, sie trug nur eine Perücke, die nun auf dem Tisch lag.
„Keine Angst mein Kleiner.“ sprach sie leise. Sie nahm die Haarpracht und wandte sich zum Spiegel zu, der hinter ihr auf einem Regal stand und setzte sie wieder auf.
Die Hände von Luca waren festgekrallt in der Tischkante.
„Mein Junge“ fing sie an.
„Ich habe viel Leid gesehen. Aber all das Leben steht im Gleichgewicht. Nimmst du hier etwas weg, so wird es dort wieder dazugeben“ sprach sie wieder.
„Es werden Dinge passieren, die du nicht verhindern kannst. Lass sie geschehen.“ Die Wahrsagerin machte eine Pause.
„Und das, was dir fehlt, wird dich finden. Sehe die Zeichen und sei bereit, wenn du mit geschlossenen Augen sehen kannst.“
Zuerst verstand Luca diese Worte nicht. Aber er war intelligent genug, diese Worte sich einzuprägen. Später würde alles einen Sinn ergeben dachte der kleine Junge.
Mit der linken Hand nahm die Frau etwas aus dem Regal. Luca konnte es erst nicht richtig erkennen. Er musste seine Hand öffnen und die Frau ließ daran einen silbernen Anhänger gleiten, der an einem Lederband befestigt war. Der Anhänger hatte die Form eines zunehmenden Mondes. Sie stand auf und half dem Jungen, den Anhänger um den Hals zu binden.
Ohne ein Wort zu verlieren ging Luca raus. Am Eingang wartete schon Fred, einer der Erzieher. „Komm Luca, lass uns Heim gehen.“
Statt des erwarteten Donnerwetter gab es keine Strafen, keine Verbote, nichts. Noch heute fragte sich Luca, warum es so war.
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